Coronazeiten im Senioren- Wohnpark Landshut

  • 20.05.2020

Seit einigen Wochen hat ein neuartiges Virus (Covid- 19) aus China das öffentliche Leben auf der ganzen Welt stillgelegt, auch im privaten Bereich gibt es viele Einschränkungen. Denn seit Mitte des Monates März gilt hierzulande für jeden Bürger ein gesetzliches Regelwerk des bayerischen Staates, welches die zu rasche Ausbreitung des Virus verhindern soll.
Um Menschenansammlungen mit erhöhter Ansteckungsgefahr zu umgehen, wurde das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben auf das Notwendigste reduziert, d. h. nur Einzelhandelsgeschäfte mit Waren des täglichen Bedarfs (Bäckereien, Metzgereien, der Wochenmarkt in Landshut), sowie Supermärkte, Drogerien, Apotheken, Tankstellen und einige Bankfilialen dürfen weiterhin geöffnet bleiben. Große Kaufhäuser in Landshut wie C & A, Karstadt und Oberpaur, sowie alle Betriebe des gastronomischen und kulturellen Sektors (Kinos, Theater) bleiben derzeit geschlossen.
Im privaten Leben wurden die demokratische Versammlungsfreiheit, die Berufsfreiheit und die freie Entfaltung der Persönlichkeit den Schutzmaßnahmen gegen das Virus untergeordnet. Anfangs wurden nur Großveranstaltungen (Partys, Fußballspiele, Konzerte oder Grillfeste) untersagt. Nun besteht auch gegenüber Personen, die nicht demselben Haushalt angehören, ein striktes Kontaktverbot, d. h. jeder Bürger ist dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Der Gang zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen, sowie das Spazieren- oder Gassigehen mit dem Hund sind noch erlaubt. Wenn man dabei auf Menschen trifft, soll man möglichst einen Abstand von ein bis zwei Metern einhalten.
Auch das Leben der Bewohner des Seniorenwohnparks wurde durch das Virus drastisch verändert. Es finden nun keine Besuche von Angehörigen mehr statt, diese können an der verschlossenen Eingangstür jedoch etwas für ihre Lieben abgeben.
Jeder Bewohner wurde verpflichtet, auf seinem Wohnbereich zu bleiben, der Speisesaal wurde für die täglichen Mahlzeiten, sowie für jegliche Veranstaltungen geschlossen.
Alle geplanten Feste und größeren Veranstaltungen, wie das Frühlingsfest oder die Frühjahrsdult, mussten ausfallen.
An Ostern wird es im SWP erstmals keinen Gottesdienst geben, denn im ganzen Land bleiben derzeit die Kirchen für liturgische Veranstaltungen geschlossen.
Wie haben die Bewohner des SWP diese schweren Tage bisher bewältigt?
Anfangs schaute wohl jeder gebannt auf seinem Zimmer in den Fernseher, um die neuesten Nachrichten aus der Region und aus der ganzen Welt rund um das Virus mitzuverfolgen. Nach einer Weile meinten einige, dass sie sich auf ihrem Zimmer mit der Zeit etwas isoliert vorkämen und suchten nun nach dem Motto - gemeinsam statt einsam - mehr Geselligkeit, und sei es nur bei einem Ratsch in kleiner Runde auf dem Wohnbereich.
Dabei lieferte das Virus wiederum genügend Gesprächsstoff: Die Bewohnerinnen waren sich einig, dass geschlossene Läden, Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren sie nicht so hart treffen würden. Diese Zustände seien ja aus den Kriegs- und Nachkriegsjahren bereits bekannt.
Das Sparen und das häusliche Leben seien für viele Frauen schon immer eine Pflicht gewesen, sodass es auch jetzt keiner großen Umstellung bedürfe.
Das bescheidene Leben der Hausfrauen hatte aber auch viele Vorteile. So konnten familiäre Feste und Traditionen eingehender gepflegt werden, während heutzutage den kirchlichen Bräuchen, wie Kommunion und Konfirmation, nicht mehr so viel Bedeutung zukommt. 
Damals hatte man dafür aufwendige Anzüge und Kleider zu beschaffen oder selbst zu schneidern, viele Torten und Kuchen mussten gebacken werden, das Haus oder die Wohnung gründlich geputzt werden, damit die ganze Verwandtschaft zusammen feiern konnte.
Während die Hausfrauenarbeit heutzutage nebenbei erledigt werden müsse, sei sie früher viel zeitraubender und anstrengender gewesen, da es ja noch keine Wasch- und Spülmaschinen oder andere elektronische Haushaltsgeräte gegeben hätte.
Es sei also schon ein Luxus, einfach so zum Ratschen zusammen zu sitzen und nichts zu tun, was man immer wieder gerne genieße. Freilich vermisse man vor allem die wöchentliche Kaffeefahrt ins nahegelegene Kaufland mit den dortigen Einkaufsmöglichkeiten, doch fühle man sich auch auf der Station gut unterhalten und bedient (mit Sekt und anderen Naschereien). Auch konnte man auf dem Balkon der Station bereits die ersten Strahlen der Frühlingssonne genießen.
Was wurde neben dem obligatorischen Ratschen noch auf den Stationen geboten?
Es wurde eifrig gekegelt, Rätsel geraten oder Bingo gespielt. Frau Bärbel Schmidseder von der Betreuung ging außerdem mit ihrem Waffeleisen von Station zu Station und erfreute die Bewohner mit dem leckeren Duft und kulinarischen Genuss von frischen Waffeln.

Mit dem Akkordeon spielte die Betreuung bekannte Frühlingslieder (wie „Tulpen aus Amsterdam“, „komm‘ lieber Mai und mache“ von Mozart, „im Märzen der Bauer“) und andere Schlager und Volkslieder (wie „Fliege mit mir in die Heimat“, „in einem Polenstädtchen“, „lustig ist das Zigeunerleben“), die von den Bewohnern mithilfe von dafür eigens zusammengestellten Liedtexten mitgesungen werden konnten. Besonders weniger mobile Bewohner freuten sich sehr über dieses Unterhaltungsprogramm alter Lieder, welche man im Radio kaum mehr hören könne.

Auch das Basteln erfreute sich großer Beliebtheit, weil man dabei auch ausgiebig ratschen konnte.
So wurden in fröhlicher Runde Osternester hergestellt. Eine Bewohnerin, die sehr gut zeichnen kann, erklärte sich dazu bereit, auf 120 Pappbecher (für 120 Bewohner des SWP) Hasengesichter zu malen. Diese Becher sollen als Osternester fungieren.
Weitere Bewohner beteiligten sich am Ausschneiden der Hasenohren, die auf die Becher geklebt wurden. Dann bekam jeder Becher hinten ein Schwänzchen aufgeklebt und ein Schleifchen umgebunden, und fertig waren die 120 „Hasenbräute“, welche vor Ostern noch mit Schokolade befüllt werden müssen.

Außerdem wurden Grußkarten mit aktuellen Bildern zu jedem Bewohner gefertigt. Diese sollen demnächst an die Angehörigen verschickt werden, damit diese eine schöne Erinnerung erhalten und dadurch die traurige Zeit des Besuchsverbots besser überstehen können.
Trotz der drastischen Einschränkungen und Verbote haben die Bewohner sich die Laune nicht verdrießen lassen. Auch wenn das gefährliche Virus
zunächst viel Angst und Schrecken verbreitete, haben sich die Bewohner gerne ablenken lassen und bei vielen Aktivitäten sehr engagiert mitgewirkt.
 

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